Wir geben dem Modell die richtige Farbe

( Teil 3 )

Nachdem also unser Modell im Wesentlichen zusammengebaut ist und wir uns die richtigen Pinsel zugelegt haben soll nun endlich das Bemalen beginnen.

Damit sind wir schon bei der ersten Entscheidung: Grundieren oder nicht grundieren ? 

Es gibt dazu ja unterschiedliche Positionen, aber ich grundiere meine Modell immer. Welche Grundierung hängt von den endgültigen Farben ab. Im allgemeinen benutze ich als Grundierung einen hellen Grauton der matt sein sollte. Meine Grundfarbe entsteht, wie schon beschrieben, aus Farbresten die ich einfach zusammen schütte. Sollte die Farbe doch mal etwas dunkel werden, dann kommt einfach Weiß rein. Der Farbton liegt etwa so bei Revell 57 oder heller. Die Farbe wird soweit verdünnt, das wenn man die Pinselspitze herein hält die Farbe selbst in die Borsten gesaugt wird ( durch die Kapillarwirkung ).  

So sieht das etwa aus. Im rechten Bild sind zwei Dinge auf die man achten sollte: 
  1. die abstehende Borste !! ( besser gleich abschneiden ) und
  2. die kleinen Staubpartikel auf dem Pinsel

Hier ist es aber nicht ganz so schlimm, weil solch kleinen Fehler lassen sich nach dem Trocknen mit 1000'er Schleifpapier leicht korrigieren.

Welche Vorteile bringt das Grundieren:
  1. Man hat eine einheitliche Grundfarbe, die die Farbe des Hauptanstriches nicht verfälscht !
  2. Bei dem nachfolgenden Farbanstrich haftet die, stark verdünnte, Farbe besser und auch das Trocknungsverhalten verbessert sich.
  3. Man sieht eventuelle Fehler und kann diese leichter ausbessern !
  4. Es gibt Farben wo ein spezieller Untergrund unerlässlich ist, wie Weiß und Signalorange ( Revell 25 ), eigentlich alle Rottöne, die von Natur aus schlecht decken.
Farbtest mit Grundierung:
  1. Revell 25 auf original Plastik,
  2. Revell 25 auf grauer Grundierung zweimal gestrichen,
  3. Revell 25 auf weißer Grundierung einmal gestrichen, man sieht - der gleiche Farbton wie auf dem Deckel,
  4. Weiß auf weißer Grundierung,
  5. Weiß auf weißer Grundierung mit ca. 1% Blau Revell 58

Man sieht also eindeutig, dass Revell 25 nur ein vernünftiges Ergebnis liefert, wenn mit Weiß grundiert wird. Weiß erhält eine wirklich strahlende Farbe, wenn mit Weiß 99% - Blau 1% grundiert wird ( den Tipp hat mir ein alter Seemann gegeben ).

Wenn ich Silber als Grundfarbe haben will, um z.B. Lackabplatzer darzustellen, grundiere ich trotzdem mit matt-grau um das Risiko des Abreißens der Silberfarbe zu verringern. Es kann aber trotzdem passieren, dass man sich Silberfarbe z.B. mit dem Abklebeband abzieht.

Die Grundierung lasse ich mindestens 12 Stunden trocknen, sie muss nicht unbedingt vor dem Übermalen völlig aushärten, erst nach der ersten Deckschicht sollte mindestens eine Trockenzeit von 48 Stunden eingehalten werden.

Zum genauen Mischen der Farben verwende ich Insulinspritzen ( ganz rechts ), weil auf zehntel ml genau gemessen werden kann.
Als Beispiel möchte ich hier die Außentanks der F-104 G Marineversion nutzten, um die bisherigen Schritte praktisch zusammenzufassen.
Der Tank ist mit Weiß grundiert ( Revell 5) und mit kip 308 abgeklebt.
Ich beginne mit den Rändern. Die Farbe ist etwas dicker eingestellt ( beim Eintauchen des Pinsels steigt sie nicht nach oben, der sich bildende Tropfen wird auf Küchenkrepp o.ä. abgetupft ) und durch Auftupfen und leichtes ziehen des Pinsels vom Klebeband weg wird der Rand bemalt. Die Farbe nehme ich deshalb etwas dicker, weil gleich beim ersten mal der Rand fertig werden sollte.
Den Pinsel, den ich dazu benutze, habe ich flach geschnitten um eine gleichmäßige Fläche beim betupfen zu erhalten.
Danach wird der Zwischenraum ausgefüllt und das Klebband entfernt. Da wir ja den Rand mit etwas dickerer Farbe gemalt haben und die Farbe in der Mitte beim ersten mal nicht deckt wird nach dem Trocknen nochmals übermalt ( dabei muß man nur aufpassen um die Ränder nicht zu überpinseln).
So sieht der orange Anstrich aus
Sollte man doch mal so etwas fabrizieren ist das kein Beinbruch. Nach dem Trocknen mit 1000'er Schleifpapier nass lässt sich das korrigieren. Nach dem Planschleifen einfach mit Pinsel Größe 6 und 1 zu 1 verdünnter Farbe überstreichen. Den Absatz, der sich am Rand gebildet hat, schleife ich jetzt noch nicht ab, wir werden noch sehen warum, erst mal richtig trocknen lassen !! 
Ich nutze die sich gebildete Kante gleich als Ansatzpunkt für die nächste Farbe. Ich hatte oft das Problem, dass ich beim erneuten Abkleben nicht exakt die Kante getroffen habe. Beim Einfärben der Räder kam mir die Idee es auch an den Kanten so zu tun. Also die Anschlußfarbe wird stark verdünnt ( etwa 1 Teil Farbe, 5 Teile Verdünnung ), dann den Pinsel kurz vor der Kante ansetzen und die Farbe läuft von selbst an die Grenze.
Hier das Beispiel mit dem Reifen ( den Tipp, mit dem ausnutzen der Kapillarwirkung ist von Arne ).
So sieht das Ergebnis aus. Wenn die Farbe richtig getrocknet und ausgehärtet ist gehe ich leicht mit 2000'er Schleifpapier ( nass ) drüber, also lassen wir es trocknen 
Nach dem Trocknen und abschleifen sind die Behälter fertig.
Mit Weiß hatte ich auch so meine Probleme. Deckt schlecht und sah immer "furchtbar" aus, wie auf dem Bild unschwer zu erkennen.
Dann der Tipp des Seemann's, also Weiß mit Blau gemischt und dass als Grundierung benutzt. ( Revell Matt 5 und 58 ). Nach dem Trocknen mit 1000'er Schleifpapier nass angeschliffen und die erste Schicht Weiß ( 5 ) aufgetragen. Nach dem Trocknen wieder glatt geschliffen und nächste Schicht drauf. Das Ergebnis ist so wie ich es mir gewünscht habe. Noch ein Tipp, wenn das Weiß, obwohl ja Matt 5, glänzen soll so ist das ganz einfach zu machen. Nach dem richtigen Trocknen der Farbe einfach ein nicht fusselndes Leinentuch ( ich nehme ein Stofftaschentuch ) nehmen und mit leichtem Druck das Weiß polieren, glänzt fast wie Hochglänzlack !
Wenden wir uns nun einer anderen Farbgebung zu. Bei dem Modell sollen "Gebrauchsspuren", wie Lackabplatzer u.ä. mal an Ende zu sehen sein. Dazu soll erst eine Schicht Metallfarbe aufgetragen werden. Da Metallfarben erfahrungsgemäß auf der Plasteoberfläche schlecht hält ( man merkt das meistens erst wenn man was abgeklebt hat und dann das Klebeband abzieht und die Farbe gleich mit kommt ) wir als erstes mit stark verdünntem Mattlack, Verhältnis ca. 1:1,  grundiert. 
Ohne Grundierung ....
... erste Grundierung. Sie deckt natürlich nicht, was auch nicht notwendig ist, sondern soll nur eine gut haftende Schicht zwischen Modelloberfläche und der eigentlichen Metalllackierung darstellen.  
Danach wird mit Revell 90 die  eigentlichen Grundfarbe aufgetragen.
So Klappen und Vorflügel sind dran und es geht weiter. Als erstes werden die Fahrwerkschächte mit dickerer Farbe und Pinsel getupft.
Das gibt wenigstens etwas Struktur wenn schon nix drin ist ...

Mit dieser "Tupftechnik" lassen sich auch sehr gut Leder oder Rost an Auspuffrohren darstellen ! 

Danach wird die Rumpfunterseite mit Revell 49 bemalt.

Lackschäden wie an der Kante des SLW oder den Flügelkanten erzeuge ich, indem ich nach dem Aushärten der Farbe mit sehr groben Schleifpapier ( 320'er Körnung ) kurz und kräftig flach über die Kanten fahre. Mir gefällt's, hihi

So,

 

da wir gerade bei der „Oberflächenveredelung sind  noch einige andere Erfahrungen die ich sammeln konnte.

Als Erstes das Darstellen von alten, verwitterten Farben wie hier:

 

Das Original

 

Dazu sollte als mal die Farbe gealtert werden. Da geht recht gut durch das Zumischen von Talkum
Dadurch wird aus Revel 361, grün stumpf und „kaputt“.
und dann durch „Trockenmalen“ weiter bearbeitet werden. Als Pinsel benutze ich einen kurz abgeschnittenen Borstenpinsel. Der wird mit wenig Farbe benetzt und dann auf  Küchenkrepp o.ä. soweit ausgestrichen bis fast keine Farbe mehr drin ist. Damit wird dann das Modell eingefärbt.
Hier zwei Beispiele, links wurde grün auf Metall benutzt ( wobei das Grün zu dick war ), links Metall auf gealtertes grün ( sieht wesentlich besser aus finde ich ).
Dieses Trockenmalen geht auch sehr gut um erhabene Strukturen hervorzuheben, wie z.B. bei Nieten, bei Instrumententafel, Triebwerken ....
Für „Gebrauchsspuren“ auf Metalloberflächen kann man z.B. Graphitstaub verwenden. Als Beispiel habe ich mal ein Stück Tragfläche so behandelt. An Stelle von Graphitpulver kann man auch einfach eine weiche Bleistiftmine zu Pulver zerreiben und dann mit dem Finger auf dem Modell verreiben.  
Ein sehr gutes Ergebnis hat die Maltechnik von Bernd2, ein Bastler im Flugzeugforum.de, gebracht. Hier seine Beschreibung:

Stimmt schon, die "Nebelung" ist schwer zu machen. Ich hatte es so gemacht:

Ich habe ein Stück Papier genommen und darauf (satt) die gewünschte Nebelungsfarbe drauf gestrichen. Dann mit einem Q-Tip auf die feuchte Farbe getippt und auf den nicht bemalten Teil des Papier so lange Punkte getippt, bis die Farbmenge ungefähr richtig war. (Aber auch hier gilt: Lieber etwas zu wenig Farbe als zu viel.) Mit dem Q-Tip habe ich dann die Nebelung aufgebracht. Diesen Vorgang habe ich dann natürlich wiederholt, bis die Nebelung vollständig war. Merkwürdigerweise war mein erster Versuch mit diesem Verfahren aber auch der Beste, die späteren waren nicht mehr so gut. Hier mal ein Bild des ersten Modells, das ich auf diese Weise fertig gestellt habe, eine Me-262 von Revell in 1:72. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.


Ich habe diese Methode auch ausprobiert. Dazu habe ich die üblichen Farben von Revell und Wattestäbchen verwendet.
Das war mein erstes Ergebnis:

Farbe viel zu dick, aber die Struktur eingentlich nicht so schlecht.

 

So sieht es schon recht gut aus:

links ist die übliche Bemalung zu sehen und rechts die "vernebelten" Kanten. 

Beim "Vernebeln" bin ich wie folgt vorgegangen. Erst habe ich das Modell "klassisch", als wie links dargestellt bemalt und trocknen lassen. Dann habe ich die dunklere der beiden Farben stark verdünnt ( etwa im Verhältnis 1:2 ). Dann habe ich die Spitze des Wattestäbchens kurz in die Farbe getaucht und auf Küchenkrepp abgetupft. Anschließend habe ich die Farbgrenze betupft bis sie so wie rechts aussah. Geht doch, oder ?

Allerdings werde ich den Versuch noch mal wiederholen und zum betupfen kein Wattestäbchen sondern feinporigen Schaumstoff  und Aquafarbe verwenden.

   Anstelle der Wattestäbchen kann man sich auch einen eigenen Stempel basteln. Dieser hat den Vorteil, dass er nicht so fusselt und nicht schon nach kurzer Zeit gewechselt werden muss. Das Material ist eine weicher Radiergummi, ein Zahnstocher und das Vlies von einem "Feuchtreinigungstuch" was man nur trocknen läßt.
   Von dem Radiergummi habe ich einen Streifen abgeschnitten und einen Stempelkörper gemacht. Der wurde an dem Zahnstocher gefestigt und mit einen Stück Vlies ( doppelt genommen ) überzogen.

 

So, der Stempel ist fertig und kann wie ein Wattestäbchen benutzt werden. 

Vorteile: 

  • kann länger benutzt werden und fusselt nicht
  • die Größe des Stempels kann dem Modell angepasst werden
  • der "Bezug" kann problemlos gewechselt werden.
  • der Stempel wird nicht hart und genau die richtige Festigkeit.

 

Ich finde das Ergebnis schon recht gut. 

Einen Hinweis vielleicht: ich habe erst die Flächen bemalt und dann die hellere Farbe mit dem Stempel getupft und die "Vernebelung" darzustellen. Das ging besser als anders herum 

Ich hab ja noch was vergessen, die Cockpit-Bemalung

Gut es hängt ja vom Maßstab, den persönlichen Vorstellungen und Fähigkeiten ab, aber ich möchte doch so einige Beispiele zeigen:

Als Hilfsmaterial verwende ich, außer einem sehr feinem Pinsel ( 00 und noch die hälfte der Haare weggeschnitten ), Zahnstocher und Stecknadeln.

 

Das Paneel wir erst in der Farbe bemalt die die Instrumenteneinfassung haben soll, z.B. Weiß. Dann die Grundfarbe drauf, alles natürlich  am Gießast. 

 

 

Nach dem Trocknen ein- zwei mal mit 1000’er Schleifpapier oder einem mit Verdünnung getränkten Wattestäbchen drüber und das Weiß kommt durch.

Danach mit Zahnstocher die „Instrumente“ versuchen darzustellen. Dabei schneide ich vorher die Spitze des Zahnstochers ein ganz kleines Stückchen ab, wodurch er besser Farbe annimmt. Nach jedem zweit- dritten mal die Spitze des Zahnstochers reinigen !! sonst gibt’s schnell dicke Kleckse. Die Farbe ist  etwa in originaler Verdünnung.

 

Dann wird das Cockpitinnere zusammengesetzt...
und ergänzt – z.B. Auslöseschlaufen und Sitze.
Damit ist unser Flieger angemalt. Jetzt kommt eine Schicht Klarlack ( seidenmatt ) drauf. Dadurch erhält man eine guten und vor allem gleichmäßigen Untergrund um die Abziehbilder aufbringen zu können.